Short Story of India

Short Story of India

„Short Story of India“

coming soon!

 

„Es funktioniert, aber keiner weiß wie“

Zusammen mit Laura bereiste ich Indien vom Norden bis in den Süden. Wir durchquerten Städte wie Mumbay, Pune, Bangalore und Kannur in Kerala. Man lebt in den Tag – bis heute beschreibt das Zitat die Kultur ziemlich gut. Du wirst bereits mit dem ersten Schritt aus dem Flughafen in eine völlig andere Welt geworfen. Mit der Zeit fängst Du an den Kulturschock zu realisieren, doch im selben Moment auch erkennst wie man versucht sich anzupassen, versucht die Kultur zu erleben. Alle Menschen sind uns liebenswürdig und nett begegnet so wie ich es in keinem anderem Land gewohnt war. Eben diese Erfahrung macht es auch möglich die Kultur so nah erlebt zu haben.

Laura ist seit nun fast einem Jahr in Indien und arbeitet bei einer sozialen Einrichtung für behinderte Menschen. Ich pflege großen Respekt vor ihrer Arbeit dort und wie gut sie ich integriert hat, gerade als Frau. Es sind immer andere Themen die einem durch den Kopf wenn man seine Erfahrungen revue passieren lässt. Bildung ist eines davon:

„Das ist wichtig für deine Zukunft.“ Jahrelang war das die Rechtfertigung für stures Auswendiglernen. All die Formeln, die vagen Begriffe wie Oxymoron oder Hypotenuse, die gehörten dazu. Zur Bildung. Natürlich war mir klar, dass manches davon durchaus wichtig ist. Mich weiterbringt. Aber den wahren Wert von Bildung habe ich erst in letzter Zeit begriffen. Weil ich mich und meine Position neu einordnen musste. Sonst war ich immer eine Schülerin von vielen. Heute sitze ich neben jungen Frauen im gleichen Alter, die verheiratet sind. Mit der Schule haben sie nach acht Jahren aufgehört. Es gab wichtigere Aufgaben für sie. Und wenn wir so dasitzen und uns unterhalten sind wir uns sehr sympathisch. Sind interessiert am Leben des anderen. Auch für kleine Späßchen ist immer Zeit. Aber irgendwo ist eine Grenze. Der Punkt an dem wir die Welt des anderen nicht mehr verstehen. Nicht weiter hineinblicken wollen. Weil es sonst schwierig wird. Unangenehm. Es ist normal, dass Marie und Laura mitten in der Nacht zu einer Reise in andere Landesteile antreten. Genauso normal ist es, dass Swati und Aarti nur selten aus dem Eingangator gehen. Ich akzeptiere die Ausreden warum sie nicht rausgehen wollen, dafür übersehen sie so manches Foto auf meinem Handy. Man könnte das jetzt alles auf ‚die andere Kultur‘ schieben. Bei ‚den Indern‘ sind Frauen nicht emanzipiert. Aber ich habe gelernt, dass das nicht stimmt. Ich kenne viele junge Frauen, die alleine Reisen, alleine rausgehen. Sie sind keine Ausnahmen. Aber hier gibt es nunmal viele Menschen und somit auch viele Normalitäten. Ansatzweise ist das wahrscheinlich auch in Deutschland so. Ich bin damit nur nicht im Berührung gekommen. Meine Normalität war das Schulleben unter Priveligierten. Ich glaube inzwischen, dass der wahre Unterschied im Grad der Bildung liegt. Denn indem wir unser Wissen erweitern werden wir selbstbewusst. Indem wir Dinge kritisch hinterfragen, unabhängig. Ich bin dazu erzogen wurden, die Dinge nicht einfach hinzunehmen. Deshalb kann mich niemand daran hindern aus dem Tor zu gehen. Deshalb tut es weh zu sehen, wie leicht andere sich daran hindern lassen. Deshalb wurde ich ziemlich direkt, als ein Mädchen hier noch nicht zur Schule ging. Am Ende liegt es jedoch in der Hand jedes Einzelnen das zu begreifen. Die kleine Bibliothek bei uns ist schließlich für jeden offen. Bildung braucht nicht zwangsläufig eine Schule.

Text: Laura

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